jeudi, octobre 19, 2006

Further on, Gare de l'Est

Aufgrund meiner Unsicherheit und um überhaupt erst mal die ganzen verschiedenen Eindrücke aufzusaugen, stromere ich mit meinem schweren Gepäck zunächst noch etwa eine Stunde im Gare de l'Est herum, schaue mich ausführlich um, staune Franzosen an, weil sie mir so französisch zu sein scheinen und lasse keine Treppe als Sitzgelegenheit aus. An einem Bahnhofskiosk kaufe ich mir einen Stadtplan von Paris, was mir die frühe Gelegenheit gibt, gleich den um die Worte „Merci“, „Au Revoir“, „Croissant“ und „Café“ bereits bestehenden Grundwortschatz in der praktischen Anwendung zu festigen. Derart gestärkt und beschwipst von meinem Erfolgserlebnis stürze ich mich gleich in die nächste Runde und verlange am Fahrkartenschalter der Métro einen Streckennetzplan. Und, was soll ich sagen, Freunde: Es klappt!!
Das letzte Puzzleteil meines daraufhin erstellten kühnen Masterplans soll der Kauf einer original französischen SIM-Card fürs Handy sein. Einerseits soll man ja bei der Wohnungssuche flexibel und für die Vermieter erreichbar sein; andererseits stärkt es auch das Selbstbewusstsein, weil es einen irgendwie noch weiter ins Französischsein reinversenkt.

Irgendwo auf der anderen Straßenseite gibts denn auch einen Telekommunikations- und Feuerzeug-Laden oder so, vielleicht hab ich auch einfach die Geschäftsidee nicht verstanden. Wie genau ich schließlich dort hinkomme, kann ich gar nicht mehr sagen, denn zwischen mir und dem Laden befinden sich kleinere Gruppen von jüngeren, abgerissen aussehenden Frauen mit, ich hoffe das ist so nicht politisch inkorrekt, Migrationshintergrund, die bevorzugt Touristen zunächst auf Vorhandensein von Englischkenntnissen ansprechen und bei positiver Antwort von Null auf Hundert ein derartig aggressives Gewitter an please-mister-money-thankyouthankyou-misters loslassen, dass man sich noch Minuten später irgendwie geblitzdingst fühlt.

Obwohls nur ein kleiner Laden ist, ist der Preis trotzdem ganz groß: 40,- EUR kostet alleine die SIM-Karte, 10,- EUR lege ich noch mal fürs Guthaben auf den Tisch. Ich kaufe kurzerhand. Das Guthaben ist 14 Tage gültig, die SIM-Karte ein halbes Jahr.

Später bereue ich: Ich weiss zwar, begrenzte Guthaben und Karten-Gültigkeitsdauern sind in Frankreich nicht ganz unüblich, aber für den Preis – so n bisschen verarscht fühl ich mich irgendwo doch.

Auf dem Rückweg bin ich intelligent genug, die Englisch-Frage zu verneinen. Ein gewitztes kommunikatives Vermeidungsmanöver, das seinen Effekt, das kann ich euch sagen, ganz sicher nicht verfehlt. Zwischen mir und der Linie 4, die mich bis zur Station Montparnasse-Bienvenüe tragen und dort in die Hände der Linie 13 übergeben soll, befinden sich also nur noch Luft und die Drehkreuze. Mit Luft kann ich um; um jedoch das Zürnen der Drehkreuze zu beruhigen, kaufe ich einen Zehnerpack Einzelfahrkarten. Das sollte fürs Wochenende erstmal reichen.

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