Eiffelturm Revisited: the importance of being tourist
Als guter Literaturwissenschaftler beherrsche und beherzige ich selbstverständlich den Lotman-Rennerschen Grundsatz, dass der Protagonist eines Textes in jedem bedeutsamen semantischen Raum den Extrempunkt ansteuert und beschließe daher, dass ich
1. mich in einem Text befinde und
2. daher nicht anders kann als als Tourist vor dem Eiffelturm zu einem großzügig berechnetem Preis mit Metropolenaufschlag ein Souvenir zu erstehen!
Nach kurzem Überlegen fällt meine Wahl auf einen kleine Eiffelturmminiatur aus Kristallglas und mit blinkenden Dioden, die mir schon vorher in einer Metrostation durch ihre ständigen unvorhersehbaren Farbwechsel positiv ins Auge fiel. Einen blinkenden Eiffelturm vor dem Eiffelturm zu kaufen ist ja irgendwie wie Eulen nach Athen tragen, oder so. Meine Entscheidung jedenfalls steht. Natürlich bezahle ich mit einem 50-Euro-Schein – auch so eine Touristensache. Nach glücklich beendetem Kauf erhalte ich dann noch von einem anderen netten Mann das Angebot, mich für nur 15 Euro mitsamt dem echten Turm zeichnen zu lassen, doch ich winke ab. Habe ja schon, was ich wollte. Und ausserdem: Eiffelturm! Hatte ich ja schon erwähnt: ne große Verarsche alles!
Als ich später den Turm aus der Packung nehme, um mal zu schauen, ob alles soweit in Ordnung ist, hat er auch tatsächlich nur ganz wenige Kratzer und fast gar keine klebrigen Flecken auf der ansonsten völlig makellosen Glasoberfläche. Dass er bereits in der Packung eingeschaltet war, ist auch nicht so schlimm, denn so blinkt er beim Herausnehmen wenigstens schon ein wenig, wie zum Gruß, und die Batterien kann man ja auch wechseln.
Ich behalte den Turm selbstverständlich nicht selbst; als echtes Eiffelturm-Souvenir vom Original-Eiffelturm und erstanden sozusagen in Ausführung eines im weitesten Sinne künstlerischen Vorhabens auf Basis der Lotman-Rennerschen Extrempunkt-Regel (kann auch nicht jeder Aktionskünstler von sich behaupten!), ist er gerade gut und wertvoll genug für meine die Welt der bunt blinkenden Dinge ebenso wie ich wertschätzende Noch-Mitbewohnerin Sara, den, bitte verzeiht mir diesen Vergleich, blinkenden Eiffelturm unter den Eiffeltürmen dieser Stadt Paris, die wir "Welt" nennen.
PS: Auf dieser Grundlage noch ein heisser Sightseeing-Tipp: Der blinkende Turm steht mittlerweile in seiner ganzen Pracht in Saras Zimmer in Kiel, 1. Stock, Holtenauer Straße 92. Wenn ihr sie nett fragt, schaltet sie ihn sicherlich auch gerne mal für euch ein. Meine Lieblingsfarbe ist lila. Der Turm ist wirklich toll und im Gegensatz zum echten Eiffelturm, wie schon oben erwähnt, etwas, das man sich immer gerne anschaut. Hatte ich das schon erwähnt?
jeudi, octobre 19, 2006
Inscription à :
Publier les commentaires (Atom)


Aucun commentaire:
Enregistrer un commentaire