Mit der Métro Linie 13 geht es gleich ab in die Peripherie: Clichy, Paris Banlieue. Hier, habe ich gehört, ist das Leben noch real und zu schnell gar noch für Fastfood; auf dem Speiseplan steht Hardfood, das harte Brot der Straße!
Die Jugendherberge „Léo Lagrange“ reckt sich acht Stockwerke hoch vergebens dem Himmel entgegen: ein früh aufgegebenes
tausendsprachiges Touristen-Babylon. Frühstück ist immerhin vorhanden, aber wenig gehaltvoll und von zynischem Gute-Laune-Radio ad absurdum geführt; die Duschen von Kalk und Keimen verschrundet und zernarbt. Billigtouristen und Jugendliche aus aller Herren Länder spuken durch schwach beleuchtete Gänge und haken auf langen Listen die üblichen Attraktionen ab. Jeder geht seinem Tagwerk nach. Das ist mein Kiez für die nächsten 12 Tage.Der intensive Geruch des Herbergszimmers im bringt unsympathische Assoziationsketten in Gang und ist wohl der ganz eigene Willkommensgruß einer kleinen Stadt an einen einfachen Studenten: "Ich bin Clichy, und dies ist mein Revier. Vielleicht akzeptiere ich Dich für ein paar Tage, aber Du wirst hier niemals zuhause sein." Ob dabei die alten Matratzen und Bezüge auf die Luft des Zimmers abfärben oder umgekehrt, ist nicht mehr auszumachen. Muss ausserdem feststellen, dass die Duschen in der Auberge nachmittags wohl kalt bleiben. Die Frage, ob das in Frankreich allgemeine Jugendherbergskultur, überhaupt eine Art Kultur oder nur eine Spezialität der „Leo Lagrange“ ist, ist Teil eines Erzählstrangs, den ich hiermit an jemand anderen abgebe.
Meine beiden Zimmermitbewohner sind: ein brasilianischer Tennisspieler, der (laut eigener Aussage) professionell Tennis spielt und hier in Paris ein Turnier bestreitet, sowie ein junger Franzose, der mit so gut wie gar nichts ankommt, auch ohne Schlüssel (weil: gibt zunächst nur zwei fürs Zimmer), und das noch sehr spät am zweiten Abend, wo unsereins sich schon mal aus dem Schlaf geschreckt fühlt.
Na denn, bienvenue!


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