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lundi, juin 18, 2007

Bleib Gangsta!

D.h., trink immer genau, was du grad denkst, ja.

lundi, mai 28, 2007

A Rough Guide To Laissez Faire

Lasst die Franzosen tun, was die Franzosen am besten können. Ich also am Mittwoch beim Mineralwassereinkauf im Franprix. Kaufe ja mein Mineralwasser immer in Sixpacks, weil das erstens jenen Muskel des rechten Armes, den dieser zum Heben schwererer Gegenstände benötigt, z.B. Sixpacks, trainiert (für den linken muss ich mir noch irgendeine Lösung einfallen lassen) und zweitens weils nämlich auch billiger ist als Einzel-Bouteilles. Es sei denn Frankreich will nich.

Frankreich verfleischlichte sich an jenem Nachmittag in Gestalt eines Franprix-Kassierers, seine sechs Buchstaben* unauflösbar dem Kassiererstuhl verbunden, den Schalk einer ganzen Grande Nation im Nacken, der es einfach nicht hinkriegte, mein Chantereine-Eau-de-Source-Ensemble als Einheit einzuscannen und daher (anstatt etwa ein paar Schritte in den Laden zurückzugehen und nachzuschauen) mir also einfach sechs einzelne Flaschen auf die Rechnung setzte, so als wärs die selbstverständlichste Sache der Welt. Es ging nicht um viel, aber immerhin doch zwanzig Cent! Meine anfangs noch wortgewaltigen Proteste schlugen jedoch nicht an, gingen an ihrer eigenen argumentativen Verstiegenheit zugrunde und verflachten in etwa so schnell wie die Brandung an der Ostsee, denn ich sah an der Weise, mit der der Mann mit stoischem Gesicht meinen Ausführungen folgte: Erklärungen zwecklos, das hier folgt keiner Argumentationslogik, es geht hier um andere Dinge, wie Selbstverständnis und kulturelle Identität. Laissez-Faire! Nicht Bosheit, sondern diese kulturell geschützte Chuzpe, dass einen einfach mal alles mal total kann, auch König Kunde, der sich heute mal in Gestalt eines notorisch den Schalk im Nacken habenden deutschen Stylers mit diesen irgendwie toll glimmenden Augen auf die Weltoberfläche projiziert hat. Davon sind wir Deutschen einfach noch voll weit entfernt! Ich find ja sowieso, wir könnten uns von den Franzosen manchmal noch mal ne ganze Menge Scheiben abschneiden. Und das soll für Fritz aus der Fußgängerzone genau so gelten wie für "Herr Oliver Schwoch, Marktleiter" des Kieler SKY in der Holtenauer Straße. Ende der Durchsage.
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* fesses, (f., pl.) - der Popo (steht jedenfalls so auf leo.org)

mardi, mai 08, 2007

Runter mit den Waffen (her mit der Feder*)

Sie tanzen wieder auf unseren Leichen: Heute ist in Frankreich die "commémoration d'armistice" (oder, salopper: "Victoire 1945"). Das bedeutet Hubschrauber, Trilerpfeifen und "La France", vor allem aber: einen lupenreinen Feiertag! Jacques Chirac, trotz gezählter Tage im Amt bis zum Ende nicht faul, wird am Place de la République als symbolischen Höhepunkt der Zeremonie einen Kranz niederlegen - ein Ereignis, dem ich allerdings nicht beiwohnen werde. Denn Feiern is für mich heute leider, selbstverschuldet, nicht drin. Und damit mein ich jetzt weniger jene kollektive Schuld, der Nation anzugehören, die ehemals eine sog. "Entwaffnung" überhaupt erst nötig gemacht hatte. Meine Mission ist heute eine andere und dringlichere (weil immer noch extremely underaccomplished): nämlich die, das Werk Franz Kafkas ein kleines Stück weiter aus seiner literaturwissenschaftlichen Misere herauszuheben, und zwar konkret: um ein ganzes Hausarbeits-Unterkapitel! Bis heute abend! Ich sollte daher jetzt auch mal. Damit ich es den Franzosen nach Möglichkeit noch gleichtun und vielleicht heute auch noch einen Frieden feiern kann, nämlich den mit mir selbst (nach einem Sieg über mich selbst!**).
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* resp. Das macht man ja heutzutage alles mit Keyboard ('n'Memory Stick).
** geschmacklose analogiebildung? vielleicht. aber: n zusammenhang gefunden! immerhin! so!

vendredi, mars 30, 2007

Pissoucis

Also echt mal: Auch im nunmehr sechsten Monat meiner Anwesenheit hier* kann ich es immer noch nicht verstehen, dass die Franzosen zwar ganz konsequent und stoisch ausschliesslich im Stehen pinkeln (und das nicht nur an denen für den Standgebrauch vorgesehenen Urinalen), es aber nicht hinkriegen, darin auch mal langsam Skills zu entwickeln. Alten eh!
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* um die mich, das gebe ich immerhin zu, hier niemand gebeten hat

mercredi, mars 21, 2007

Der virtuelle Touri

Und weil ich grad immer noch nix zu sagen hab, mal noch n Video: Fahrt mit der Linie 6, einer der wenigen schönen Linien mit oberirdischem Streckenabschnitt. Da bekommt man allerlei von Paris zu sehen! Bevor sich jedoch bei der Überquerung der Seine über den Pont de Bir-Hakeim schiesslich das opulente Eiffelturm-Panorama ins Blickfeld wuchten kann, muss natürlich zuerst noch kitischige Akkordeon-Musik her. Et voilà!

lundi, mars 19, 2007

Nach Null in der Großstadt

Nach fünf im Urwald is noch gar nix. Viel besser is, wenn in der Métro die Bürgersteige hochgeklappt werden:



PS: Und wie immer bei hochkant aufgenommenen Videos gilt auch hier: Irgendwie geht das bei youtube mittem Format nich so recht. Tut mir leid! Werd mich aber noch zumindest um provisorische Abhilfe bemühen, irgendwie. Tipps sind immer willkommen!

mardi, mars 06, 2007

Ein Zug mit Namen EWOK

Gestern morgen mal was ganz Wahnsinniges gemacht, was ich sonst realiter wie prinzipiell niemals mache: mich in einen vollbesetzten RER*-Zug reingequetscht! Weil ehrlich, da fühlt man sich plötzlich nur noch wie zweitrangig als Lebewesen auf dieser Welt irgendwie. Ein Gefühl, dass ich anderen ja gern mal über den Weg gönne, aber ich selbst muss das nicht unbedingt ertragen. Dass ichs dennoch gemacht hab, liegt daran, dass mein Zug nämlich den geilen Namen "EWOK" trug und ich spontan dachte, das wär ja was, worüber man im Blog mal berichten könnte. Und es klingt ja zugegebenermaßen eher mau, wenn man so sagt: "Fuhr eben EWOK an mir vorbei, ich liess passieren. Lustiger Name, wa?" Und da ich ja eh schon seit geraumer Zeit versuche, mir den Ruf einer Art Pariser embedded Action-Reporters zu erwerben, ich seh mich da so in der Tradition von Kisch oder Hemingway, gab es für mich nur eins: Nichts wie rein mitten in die Scheisse! (Ging auch gut ab da!)

Wer jetzt denkt, EWOK ist sicher ganz alleine auf der Welt, irrt: Es gibt ja auch noch ETUI, PEPE, LADY und nicht zuletzt aber ROMI, JILL und SARA**. Wo ich gestern morgen über Herkunft und Bedeutung der lustigen Namen nur rätseln konnte, bin ich heute abend dank Internet-Recherche aufgeräumt, cool, relaxt und: informiert! Es ist nämlich so: Die RER (Réseau Express Régional) ist ja sowas wie ne S-Bahn, deren Linien, wo die Métro kaum über die Stadtgrenzen kommt, weit ins Pariser Umland hinausreichen und somit auch das bevorzugte Transportmittel der zahlreichen Pendler ist. Zweite Eigenschaft: Wo innerhalb der Stadtgrenzen noch relative linienimmanente Einigkeit besteht, beginnt in der Regel spätestens ab Zone 3 der Linienspliss, der sich in wilden, irrationalen Gabelungen, atemberaubenden Kurven und konterkariert zueinander geführten Strecken ausdrückt. Der Pendler an sich muss ja aber nun, damit nicht alles in Verwirrung aufgeht, seinen Zug als den richtigen unter den im Fünfminutentakt einfahrenden Zügen der selben Linie identifizieren können. Daher bekamen die Züge von den RATP*** Namen in Form vierstelliger Codes, wobei der erste Buchstabe den Zielbahnhof anzeigt und der zweite Hinweis auf den Linienverlauf gibt (bezüglich genauerer Begründungen gaben sich meine Quellen leider sehr bedeckt). Die letzten beiden Buchstaben sind hingegen rein phonetische Ergänzungen, um den Code aussprechbar und eingängig für diwie betreffenden Fahrgäste zu machen. Gute Idee einerseits, find ich, andererseits aber auch irgendwie umständlich. Typisch Französisch halt. Mehr zum Thema RER und Codes (und auch mal wieder meine Quelle) hier.


PS: Was ich bisher noch verschwiegen hatte: Eigentlich hatte ich gestern morgen am Bahnsteig ja die Qual der Wahl, denn kurz vor EWOK fuhr auf der Gegenseite gerade der ULLE (mit Ziel: Laplace) ein. Doch eigentlich fiel die Wahl letztlich gar nicht so schwer, denn abgesehen davon, dass er von mir aus gesehen in die falsche Richtung fuhr, blieb ULLE wieder einmal hinter den Erwartungen zurück, wirkte langsam und schwerfällig. Soviel auch zum Thema Strapazierfähigkeit und Grenzen des Humor-Ansatzes "Wortwitz". Merkt euch das Beispiel gut und lernt, und jammert nicht an mir rum, seid lieber dankbar, denn so ne Bloßstellung gibt sich ja schließlich nicht jeder freiwillig!
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* RER: kongenialer Kompagnon der Métros - wird n paar Zeilen weiter unten noch ausschweifig genug erklärt!
** Sara: die im übrigen trotz zahlreicher Versprechungen immer noch nicht in Paris war und beklagenswert um dieses Thema herumdruckst.
*** RATP: "Régie Autonome des Transports Parisiens", also quasi die Pariser Verkehrsverbünde.

mardi, février 13, 2007

Uni-News (2)

Die Franzosen lieben ja prägnante Abkürzungen für überlange Worte und Namen. Hier, besonders schön, die Aushänge der "Presses de l'Université Paris-Sorbonne" im Sorbonne-Hauptgebäude: Das war natürlich wieder was für mich!

lundi, février 12, 2007

Wie man in die Toilette bei Starbucks, Boulevard St. Michel, hineinkommt

In den meisten Pariser Restaurants und Cafés der Systemgastronomie benötigt man für die Toilette nen Türcode, der einem nur gegen Kauf eines Kulinariums per Bon verraten wird. Heute morgen hab ich das exklusiv für euch, die Leser von "le blog", mal bei Starbucks, 13 Boulevard St. Michel gefilmt. Die Zahlenkombination lautet dort: 3525 5 (für den Fall, dass ihr in Paris mal müsst).


Und noch ein Insidertipp: Um die heiligen Hallen des Verdauungsabschlusses im McDonald's am Jardin de Luxembourg (ein paar hundert Meter weiter den Boulevard St. Michel hoch) zu betreten, gebt ihr einfach ein: 11111*. Jetzt ist es raus. Ob man mir dafür wohl was kann?
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* fast wie bei Spaceballs; Starbucks, McDonald's, Spaceballs: alles das Gleiche!

samedi, janvier 20, 2007

Paris Trivia Revisited //
David gewinnt mal wieder gegen Goliath: Kiel ist größer als Paris

Überhaupt mal interessant zu erfahren, in was für einem Wurzelzwerg von Stadt ich eigentlich grad wohne, jedenfalls wenn man mal nicht die Einwohnerzahl oder regionale, überregionale, literarische, kulturelle (usw.) Bedeutsamkeit, sondern nur die Fläche das Wort reden lässt: Helsinki beispielsweise, in dem sich grad mein Freund Tom zur Fertigschreibung seiner Diplomarbeit befindet, ist etwa sechsmal so groß wie Paris, Hamburg etwa achtmal. Doch das ist noch nicht der eigentliche Knaller: Selbst Kiel, also unser aller Home of Förde's Grace, ist, laut Wikipedia jedenfalls, tatsächlich um ca. 13 km² größer als Paris, und das bei einem Zehntel der Einwohnerzahl. Da bin ich nun doch erstmal etwas baff. Aber jetzt versteht ihr vielleicht auch, weshalb ich um die Weihnachtszeit und Neujahr herum immer grenzpathologisch "à la parisienne" gerufen habe, um dann mit geschlossenen Augen die Holtenauer Straße zu überqueren. Weil es nämlich dann doch nicht die wenigen Gemeinsamkeiten, sondern die Unterschiede sind, die einen hier oder dort am Ende einholen. Weil man eben irgendwann einfach nicht mehr kann! Denn ein Zehnfaches der Einwohnerzahl bei vergleichbarer Grundfläche bedeutet ja (natürlich noch etwas relativiert durch Viehburger Gehölz und natürlich der Kieler Förde) auch eine spürbar größere Einwohnerdichte! Aber immerhin, am Ende bleibt: In der einen, vielleicht ja auch noch einer anderen, bis dato unbekannten und auch wieder völlig überraschenden Beziehung befindet sich unser Kiel tatsächlich auf Augenhöhe mit der Stadt der Liebe und der Lichter. Seid stolz, denn auch ihr seid Kiel! Geilomeilo!

Dass allerdings die Metropolregion von Paris in einer ganz anderen Liga spielt als der City-Orbit Kiels, steht natürlich nicht ausser Frage. Der ist in der Größenordnung nämlich in etwa vergleichbar mit der Rhein-Ruhr-Region (wieder nach Wikipedia).

PS:
@Sara und Steffi**: Na, wie erscheint euch jetzt eure Idee, einmal die gesamte Eckernförder Straße runterzugehen? In echt ist die nämlich bestimmt ungefähr Champs Elysees plus x lang.

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* Wobei zweierlei Flächenangabe bei Wikipedia natürlich überhaupt buchstäblich zweierlei sein kann, so wie Stadtgrößen natürlich auch nur schlecht direkt miteinander vergleichbar sind. Aber ich finds trotzdem irgendwie ne Sensation, dass sich Paris und Kiel in etwa den gleichen flächenmäßigen Dimensionen bewegen. Wobei mein Empfinden der Sensation natürlich vor allem auch in einem einfältigen Verständnis von "Metropole" wurzelt, das bis vorhin noch davon ausging, dass eine solche in jedem Fall auch riesengroß sein müsse. Wieder was gelernt!

** Sara und Steffi: zwei Tusen aus Kiel

lundi, octobre 30, 2006

Kulinarische Komparatistik: Nutella Essen in Frankreich

Mein zweites in Frankreich selbstgekauftes Glas Nutella bestätigt den Eindruck des ersten. Erkenntnis: Schmeckt schon etwas anders, Akzent mehr auf der Nougat-Komponente. Und deutlich cremigere Konsistenz. Passt irgendwie zu den Franzmännern. Trotzdem lecker!

samedi, octobre 28, 2006

Frankreich, dein Englisch

Wisst ihr, was ich glaube? Ich glaube, die Franzosen können wirklich kein Englisch. So jedenfalls deutet es ein Amalgam aus eigenen Erfahrungen und externen ergänzenden Fakten und Erzählungen, die mein Hirn zu einem gemeinsamen Ganzen zusammenwebt. Und das geht so:

Es werden unverhältnismäßig viele Leitslogans englischsprachiger Plakate mittels etwas verschämt anmutender Sternchen-Verweise auf den unteren Plakatrand ins Französische übersetzt (s. Lufthansa-Werbung).
Auch die Zeugen Jehovas, die ja nicht gerade als weltweit die Erneuerer und Traditionsbrecher gelten, haben die englische Kontaktaufnahme umgehend versucht. An der sie jedoch genauso scheiterten wie ich am Französischen – wir hatten das bereits.
Und schlußendlich ließen sich unter dieser Annahme auch vermeintlich widersprechende Erfahrungen unter einem großen, gemeinsamen Dach einen – die der erbosten deutschen Touristen, die zurückkehren und berichten, die Franzosen seien so arrogant, dass sie einem, fragt man sie auf Englisch um Hilfe, höchstens auf Französisch antworten, sowie meine, die die fast vorbildhafte Hilfsbereitschaft der Franzosen (die ich stets auf Französisch anspreche) zu vermelden hat.

Just think about it. Ich bleib für euch mal dran an der Sache!

jeudi, octobre 19, 2006

Die Berlin-Paris-Connection

Praktisch, wenn man so Leute kennt: Björn aus Berlin, einigen von euch ja noch bekannt durch das grandiose Jahreswechsel-Event „Silvester 2005 in Berlin bei Björn“ und darüberhinaus Doktorand der Chemie am Fritz-Haber-Institut der Berliner Max-Planck-Gesellschaft, hat zufällig gerade zur Zeit meiner zweiten Ankunft in Paris ebenda eine Konferenz zur Oberflächenforschung. Superspontan wird daher bereits am Abend vorher „bekakelt“, mal das Nacht- und vorher Nachmittagsleben der beliebten Metropole rund zu machen.

Es wird dann auch n richtig netter Tag: Kein weniger prestigeträchtiger Ort als die Kathedrale Notre-Dame erscheint uns als Treffpunkt zweier Grandseigneurs des City-Cruisin' geeignet. Das alte Bauwerk wird von außen wie innen ausführlich inspiziert und, obwohls im Mittelteil Einiges zu bemäkeln gäbe, letztlich doch für gut befunden. Da darf man einfach nicht so sein: Damals wussten die eben bestimmte Dinge noch nicht, die wir heute aus dem Effeff beherrschen.

Man isst stilvoll im gegenüberliegenden Subway, der überraschenderweise gar nicht mal teurer ist als unserlands. Die Sandwich-Belag-Auslage belohnt die Kunden (und veredelt sich selbst) mit dem gespiegelten Abbild der Notre-Dame auf ihrer Frontverglasung. Ein Bild zum Innehalten: Jahrtausendealte Geschichte spiegelt sich ganz buchstäblich in der Trivialität moderner Freßsucht. Natürlich gewinnt wie immer das Fressen. Traurig, aber irgendwie auch schön. Denn so ist halt das Leben. Björn und ich haben jedenfalls keine Zeit für den Blues und pfeifen uns das Zeugs einfach rein. Über alles Andere lässt sich auch später noch Philosophieren.

Anschließend arbeitet man sich dann durch bis zum Jardin de Luxembourg. Sehr schön oder, wie die jungen Leute heute sagen würden, „chillig“, und geschwängert von, wie Björn sagt, „Sawoawiv“ "Sawoawif", das ja, wie gesagt, legendär ist. Gerade Frankreich gilt da ja weltweit als führend. Auch der Palais selbst lässt sich nicht lumpen und geniesst das Sehen und Gesehenwerden. Schön lassen sie es sich dort gehen, die Herren Regierenden.

Nach weiterem Abhängen vor allem im Jardin, bei dem selbstverständlich nicht vergessen wird, der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten, hol ich mir fürs Gewissen noch einen Packen Wohnungsannoncen aus dem Goethe-Institut, das praktischerweise gleich einmal über die Straße an der Ecke ist.

Dann wird der Abend gemütlich durch die Seitenstraßen des Quartier Latin flanierend beschlossen. Nur die Seine-Brücken fehlen auf der Weg-Agenda. Warum eigentlich? Ist doch jetzt alles so nah!
Paris-Phänomenlogie III: Architektur

Ätz! Paris ist offensichtlich wirklich unfähig zur normalen Backstein-Fassade. Penetrant angeberisch! Nicht um eine Ecke kann man mal gehen, ohne dass die Stadt sich einem exhibitionistisch mit irgendnem ach so sehenswerten Bauwerk ins Blickfeld reckt: Schau mal, gotisch. Nimm hin, ein Hauch von Byzanz! 100 Euro für den, der mir hier mal ne vernünftige, unarrogante Westring-Häuserreihe auftreibt. In Spielgeld. Versteht sich.
Paris-Phänomenologie II: Brillenmode

Auch etwas, das sofort auffällt: Die Brillenmode ist hier noch einmal deutlich exzentrischer; man könnte vielleicht auch sagen, unreflektierter, um das unschöne Wort zu vermeiden: geschmackloser. Wo es in Deutschland prinzipiell vor allem die Dichothomie Draht/Kunststoff als differenzierendes Moment gibt, geht man hier (zumindest auf der ja traditionell modebewussteren Kunststoffseite) noch einen bis zwei Differenzierungsschritte weiter.

So richtig habe ichs zwar noch nicht kapiert, aber soweit ichs beurteilen kann, wird hier das Augenmerk verstärkt auf die Bügel gerichtet; augenscheinlich ist in Paris derjenige der Pimp, der die DICKSTEN Bügel hat. Und falls das aus irgendwelchen Gründen grad nicht möglich ist, hat man alternativ dafür zu sorgen, dass die Brille wenigstens auf andere Weise irgendwie dick im Gesicht liegt, ob unter Mithilfe exzentrischer Farbgebungen (zB zitronenfaltergelb) oder beknackter Glasformen (zB nach oben offene Halbkreise mit Bügeln unten).

Ich sah bereits – vor allem in den teureren Quartiers mit höherer Touristen-Frequentierung – einige ältere, offensichtlich besser betuchte Frauen sich mit Bügel-Prototypen der Ausfertigungen „Doppel-Doppel-Draht“ und „Schmetterling“ bewegen. Sie waren sehr schnell unterwegs und schienen sich grad nicht so wohl zu fühlen.
Die Sichtung völlig asymmetrischer, blinkender und sich dabei zugleich selbst auflösender Exzentrik-Gestelle erwarte ich jeden Tag.
Rock'n'Roll And The City: Paris Trivia Teil 1

Die Lautstärke der Stadt Paris lässt sich durch meinen MP3-Player Creative MuVo TX USB 2.0 1 GB, ausgestattet mit Sennheiser-Ohrhörern (das genaue Fabrikat hab ich leider verschlampt; ich weiss nur noch, dass die 14,99 EUR gekostet haben und mehr Bass hatten als alle anderen dort!) in der Equalizer-Einstellung "ROCK" beim Hören einer Zusammenstellung persönlich favorisierter Songs der Band "Eels" ziemlich präzise auf 14 festlegen (beim Einfahren der Métro-Züge in die Stationen 16, in etwas ruhigeren Arealen auch schon mal 12).
Paris-Phänomenologie I: Die ersten Eindrücke

In den Métro-Stationen riecht es nach muffiger Métro-Luft und den Croissants, die aus den kleinen, der Bäckerei von Allwörden nachempfundenen Koben dem vorbeihetzenden Nahverkehrsvolk angeboten werden.

Mein kleiner Kopf ist anscheinend viel zu klein, um sich nicht darüber zu wundern, dass sich die Stadt nicht auf der Stelle in unverwechselbarem Flair präsentiert, sondern einfach als normale Großstadt: Man sieht Kids mit Chucks und anderen ziemlich uniformen Kleidungsstücken, die wie bei uns als Insignien von Individualität fungieren*, Prolls, Alexander-Klaws-Verschnitte und langweilige Paare; auch ein paar schöne Franzosen freilich. An den Wänden werben Plakate für Compaq und Disneyworld Ressort Paris: Globalisierung, du Sau, ich fühle mich von dir um mein Akkordeon-Gefiedel betrogen!


*erstaunlich häufig gesichtet: Bundeswehr-Parkas, inklusive Schwarz-Rot-Gold-Aufnäher am Oberarm!
Further on, Gare de l'Est

Aufgrund meiner Unsicherheit und um überhaupt erst mal die ganzen verschiedenen Eindrücke aufzusaugen, stromere ich mit meinem schweren Gepäck zunächst noch etwa eine Stunde im Gare de l'Est herum, schaue mich ausführlich um, staune Franzosen an, weil sie mir so französisch zu sein scheinen und lasse keine Treppe als Sitzgelegenheit aus. An einem Bahnhofskiosk kaufe ich mir einen Stadtplan von Paris, was mir die frühe Gelegenheit gibt, gleich den um die Worte „Merci“, „Au Revoir“, „Croissant“ und „Café“ bereits bestehenden Grundwortschatz in der praktischen Anwendung zu festigen. Derart gestärkt und beschwipst von meinem Erfolgserlebnis stürze ich mich gleich in die nächste Runde und verlange am Fahrkartenschalter der Métro einen Streckennetzplan. Und, was soll ich sagen, Freunde: Es klappt!!
Das letzte Puzzleteil meines daraufhin erstellten kühnen Masterplans soll der Kauf einer original französischen SIM-Card fürs Handy sein. Einerseits soll man ja bei der Wohnungssuche flexibel und für die Vermieter erreichbar sein; andererseits stärkt es auch das Selbstbewusstsein, weil es einen irgendwie noch weiter ins Französischsein reinversenkt.

Irgendwo auf der anderen Straßenseite gibts denn auch einen Telekommunikations- und Feuerzeug-Laden oder so, vielleicht hab ich auch einfach die Geschäftsidee nicht verstanden. Wie genau ich schließlich dort hinkomme, kann ich gar nicht mehr sagen, denn zwischen mir und dem Laden befinden sich kleinere Gruppen von jüngeren, abgerissen aussehenden Frauen mit, ich hoffe das ist so nicht politisch inkorrekt, Migrationshintergrund, die bevorzugt Touristen zunächst auf Vorhandensein von Englischkenntnissen ansprechen und bei positiver Antwort von Null auf Hundert ein derartig aggressives Gewitter an please-mister-money-thankyouthankyou-misters loslassen, dass man sich noch Minuten später irgendwie geblitzdingst fühlt.

Obwohls nur ein kleiner Laden ist, ist der Preis trotzdem ganz groß: 40,- EUR kostet alleine die SIM-Karte, 10,- EUR lege ich noch mal fürs Guthaben auf den Tisch. Ich kaufe kurzerhand. Das Guthaben ist 14 Tage gültig, die SIM-Karte ein halbes Jahr.

Später bereue ich: Ich weiss zwar, begrenzte Guthaben und Karten-Gültigkeitsdauern sind in Frankreich nicht ganz unüblich, aber für den Preis – so n bisschen verarscht fühl ich mich irgendwo doch.

Auf dem Rückweg bin ich intelligent genug, die Englisch-Frage zu verneinen. Ein gewitztes kommunikatives Vermeidungsmanöver, das seinen Effekt, das kann ich euch sagen, ganz sicher nicht verfehlt. Zwischen mir und der Linie 4, die mich bis zur Station Montparnasse-Bienvenüe tragen und dort in die Hände der Linie 13 übergeben soll, befinden sich also nur noch Luft und die Drehkreuze. Mit Luft kann ich um; um jedoch das Zürnen der Drehkreuze zu beruhigen, kaufe ich einen Zehnerpack Einzelfahrkarten. Das sollte fürs Wochenende erstmal reichen.
Also ging ich nach Paris.

Ankunft 9.00 Uhr Bushaltestelle Gare de l' Est. Perfekter Halt. Wieder mal Regen; ich kontere mit aufgeklapptem Regenschirm. 1:0 für mich - hoppla, Paris, hier kommt Lars!

Ein erster positiver Eindruck: der Kaffee aus den hiesigen Automaten. Zwar immer noch instant, aber aromatisch und (sofern crème) sogar mit richtiger Crema. Savoir Vivre heisst mich schon in der Bahnhofshalle willkommen! Geht gut los! Jahr, du kannst (bzw. Monate, ihr könnt) kommen!