jeudi, octobre 19, 2006

Die Berlin-Paris-Connection

Praktisch, wenn man so Leute kennt: Björn aus Berlin, einigen von euch ja noch bekannt durch das grandiose Jahreswechsel-Event „Silvester 2005 in Berlin bei Björn“ und darüberhinaus Doktorand der Chemie am Fritz-Haber-Institut der Berliner Max-Planck-Gesellschaft, hat zufällig gerade zur Zeit meiner zweiten Ankunft in Paris ebenda eine Konferenz zur Oberflächenforschung. Superspontan wird daher bereits am Abend vorher „bekakelt“, mal das Nacht- und vorher Nachmittagsleben der beliebten Metropole rund zu machen.

Es wird dann auch n richtig netter Tag: Kein weniger prestigeträchtiger Ort als die Kathedrale Notre-Dame erscheint uns als Treffpunkt zweier Grandseigneurs des City-Cruisin' geeignet. Das alte Bauwerk wird von außen wie innen ausführlich inspiziert und, obwohls im Mittelteil Einiges zu bemäkeln gäbe, letztlich doch für gut befunden. Da darf man einfach nicht so sein: Damals wussten die eben bestimmte Dinge noch nicht, die wir heute aus dem Effeff beherrschen.

Man isst stilvoll im gegenüberliegenden Subway, der überraschenderweise gar nicht mal teurer ist als unserlands. Die Sandwich-Belag-Auslage belohnt die Kunden (und veredelt sich selbst) mit dem gespiegelten Abbild der Notre-Dame auf ihrer Frontverglasung. Ein Bild zum Innehalten: Jahrtausendealte Geschichte spiegelt sich ganz buchstäblich in der Trivialität moderner Freßsucht. Natürlich gewinnt wie immer das Fressen. Traurig, aber irgendwie auch schön. Denn so ist halt das Leben. Björn und ich haben jedenfalls keine Zeit für den Blues und pfeifen uns das Zeugs einfach rein. Über alles Andere lässt sich auch später noch Philosophieren.

Anschließend arbeitet man sich dann durch bis zum Jardin de Luxembourg. Sehr schön oder, wie die jungen Leute heute sagen würden, „chillig“, und geschwängert von, wie Björn sagt, „Sawoawiv“ "Sawoawif", das ja, wie gesagt, legendär ist. Gerade Frankreich gilt da ja weltweit als führend. Auch der Palais selbst lässt sich nicht lumpen und geniesst das Sehen und Gesehenwerden. Schön lassen sie es sich dort gehen, die Herren Regierenden.

Nach weiterem Abhängen vor allem im Jardin, bei dem selbstverständlich nicht vergessen wird, der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten, hol ich mir fürs Gewissen noch einen Packen Wohnungsannoncen aus dem Goethe-Institut, das praktischerweise gleich einmal über die Straße an der Ecke ist.

Dann wird der Abend gemütlich durch die Seitenstraßen des Quartier Latin flanierend beschlossen. Nur die Seine-Brücken fehlen auf der Weg-Agenda. Warum eigentlich? Ist doch jetzt alles so nah!

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