Paris-Phänomenologie II: Brillenmode
Auch etwas, das sofort auffällt: Die Brillenmode ist hier noch einmal deutlich exzentrischer; man könnte vielleicht auch sagen, unreflektierter, um das unschöne Wort zu vermeiden: geschmackloser. Wo es in Deutschland prinzipiell vor allem die Dichothomie Draht/Kunststoff als differenzierendes Moment gibt, geht man hier (zumindest auf der ja traditionell modebewussteren Kunststoffseite) noch einen bis zwei Differenzierungsschritte weiter.
So richtig habe ichs zwar noch nicht kapiert, aber soweit ichs beurteilen kann, wird hier das Augenmerk verstärkt auf die Bügel gerichtet; augenscheinlich ist in Paris derjenige der Pimp, der die DICKSTEN Bügel hat. Und falls das aus irgendwelchen Gründen grad nicht möglich ist, hat man alternativ dafür zu sorgen, dass die Brille wenigstens auf andere Weise irgendwie dick im Gesicht liegt, ob unter Mithilfe exzentrischer Farbgebungen (zB zitronenfaltergelb) oder beknackter Glasformen (zB nach oben offene Halbkreise mit Bügeln unten).
Ich sah bereits – vor allem in den teureren Quartiers mit höherer Touristen-Frequentierung – einige ältere, offensichtlich besser betuchte Frauen sich mit Bügel-Prototypen der Ausfertigungen „Doppel-Doppel-Draht“ und „Schmetterling“ bewegen. Sie waren sehr schnell unterwegs und schienen sich grad nicht so wohl zu fühlen.
Die Sichtung völlig asymmetrischer, blinkender und sich dabei zugleich selbst auflösender Exzentrik-Gestelle erwarte ich jeden Tag.
jeudi, octobre 19, 2006
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