mardi, mars 06, 2007

Ein Zug mit Namen EWOK

Gestern morgen mal was ganz Wahnsinniges gemacht, was ich sonst realiter wie prinzipiell niemals mache: mich in einen vollbesetzten RER*-Zug reingequetscht! Weil ehrlich, da fühlt man sich plötzlich nur noch wie zweitrangig als Lebewesen auf dieser Welt irgendwie. Ein Gefühl, dass ich anderen ja gern mal über den Weg gönne, aber ich selbst muss das nicht unbedingt ertragen. Dass ichs dennoch gemacht hab, liegt daran, dass mein Zug nämlich den geilen Namen "EWOK" trug und ich spontan dachte, das wär ja was, worüber man im Blog mal berichten könnte. Und es klingt ja zugegebenermaßen eher mau, wenn man so sagt: "Fuhr eben EWOK an mir vorbei, ich liess passieren. Lustiger Name, wa?" Und da ich ja eh schon seit geraumer Zeit versuche, mir den Ruf einer Art Pariser embedded Action-Reporters zu erwerben, ich seh mich da so in der Tradition von Kisch oder Hemingway, gab es für mich nur eins: Nichts wie rein mitten in die Scheisse! (Ging auch gut ab da!)

Wer jetzt denkt, EWOK ist sicher ganz alleine auf der Welt, irrt: Es gibt ja auch noch ETUI, PEPE, LADY und nicht zuletzt aber ROMI, JILL und SARA**. Wo ich gestern morgen über Herkunft und Bedeutung der lustigen Namen nur rätseln konnte, bin ich heute abend dank Internet-Recherche aufgeräumt, cool, relaxt und: informiert! Es ist nämlich so: Die RER (Réseau Express Régional) ist ja sowas wie ne S-Bahn, deren Linien, wo die Métro kaum über die Stadtgrenzen kommt, weit ins Pariser Umland hinausreichen und somit auch das bevorzugte Transportmittel der zahlreichen Pendler ist. Zweite Eigenschaft: Wo innerhalb der Stadtgrenzen noch relative linienimmanente Einigkeit besteht, beginnt in der Regel spätestens ab Zone 3 der Linienspliss, der sich in wilden, irrationalen Gabelungen, atemberaubenden Kurven und konterkariert zueinander geführten Strecken ausdrückt. Der Pendler an sich muss ja aber nun, damit nicht alles in Verwirrung aufgeht, seinen Zug als den richtigen unter den im Fünfminutentakt einfahrenden Zügen der selben Linie identifizieren können. Daher bekamen die Züge von den RATP*** Namen in Form vierstelliger Codes, wobei der erste Buchstabe den Zielbahnhof anzeigt und der zweite Hinweis auf den Linienverlauf gibt (bezüglich genauerer Begründungen gaben sich meine Quellen leider sehr bedeckt). Die letzten beiden Buchstaben sind hingegen rein phonetische Ergänzungen, um den Code aussprechbar und eingängig für diwie betreffenden Fahrgäste zu machen. Gute Idee einerseits, find ich, andererseits aber auch irgendwie umständlich. Typisch Französisch halt. Mehr zum Thema RER und Codes (und auch mal wieder meine Quelle) hier.


PS: Was ich bisher noch verschwiegen hatte: Eigentlich hatte ich gestern morgen am Bahnsteig ja die Qual der Wahl, denn kurz vor EWOK fuhr auf der Gegenseite gerade der ULLE (mit Ziel: Laplace) ein. Doch eigentlich fiel die Wahl letztlich gar nicht so schwer, denn abgesehen davon, dass er von mir aus gesehen in die falsche Richtung fuhr, blieb ULLE wieder einmal hinter den Erwartungen zurück, wirkte langsam und schwerfällig. Soviel auch zum Thema Strapazierfähigkeit und Grenzen des Humor-Ansatzes "Wortwitz". Merkt euch das Beispiel gut und lernt, und jammert nicht an mir rum, seid lieber dankbar, denn so ne Bloßstellung gibt sich ja schließlich nicht jeder freiwillig!
--
* RER: kongenialer Kompagnon der Métros - wird n paar Zeilen weiter unten noch ausschweifig genug erklärt!
** Sara: die im übrigen trotz zahlreicher Versprechungen immer noch nicht in Paris war und beklagenswert um dieses Thema herumdruckst.
*** RATP: "Régie Autonome des Transports Parisiens", also quasi die Pariser Verkehrsverbünde.

Aucun commentaire: