Mit Abenteuer oder Schoki lief dann aber doch nix, die Franzosen hatten sich wohl im letzten Augenblick für die biedere Variante entschieden. Diejenige, die einen entlang an wenig meisterlichen, aber dafür ordentlich großen Gemälden, durch Gänge und Treppenhäuser mit Fleures de Lys und teils auch weniger offensichtlichen Verzierungen führen sollte, begleitet von jeder Menge abgehangener Schnurren rund um die Zeit des Zweiten Weltkriegs und, natürlich: der Französischen Revolution! Vorgetragen (auf Französisch!) von einem Mann, der in Bartwuchs, Kopfform und Frisur entfernt, aber dennoch irritierend an Kurt Beck erinnerte. Sicher, sicher, war auch so nich so ganz schlecht, das alles, ginge schlimmer. Aber es hätte eben auch ganz anders sein können. Wieso bloß ist es niemals anders, wieso?! Wessen Gesetz und Befehl ist es, dass die Selbstdefinition des Erwachsenseins die fundamentale Ernüchterung der Kindheit zu sein scheint?
Posh dann allerdings schon das "Grand Amphithéathre*" (s. Foto; Draufklicken, ums groß zu sehen!). Dort, liebe Freunde der Sonne, wurde wirklich ganze Arbeit geleistet, kein Quadratzentimeter blieb ungenutzt! Wo es nicht protzte, da prunkte es eben, wo nicht die Blicke der steinernen Universitätsväter ruhten, da war eben noch Platz für eine Trikolore oder das Abfeiern der Wissenschaft im Allgemeinen! Herkömmliche Vorlesungen finden dort allerdings schon lange nicht mehr statt - das "Grand Amphithéatre" ist gleichsam die Galauniform der Sorbonne und wird genutzt für Examensverabschiedungen, Empfänge, Konzerte und Konferenzen. Und so weiter natürlich. Rund 1300 Menschen fasst der Saal in Vollbesetzung! Nur halb so groß wie das Grand Rex, mag da vielleicht manch ein Kenner dieses Blogs vorschnell denken. Jaja, schon wahr, schon richtig! Aber auch 1300, auch das ist Holz, auch da muss man ja nun mal überhaupt hinkommen!

Auch die abschliessend besuchte Universitätskapelle "Ste. Ursule", erbaut 1635 in Auftrag Kardinal Richelieus, war OK. Sie ist im übrigen zugleich Wahrzeichen und Wappen der Sorbonne; auch ich hab auf meiner Carte d'Étudiant oben rechts die charakteristische Fassade mit dem schönen Kuppeldach! Innen gabs neben der inversen Kuppel und dem recht eindrucksvollen Grabmal Richelieus dann zumindest für meinen Laienblick nicht mehr allzu viel zu sehen, was sicherlich auch den anscheinend gerade halbwegs intensiv** betriebenen Restaurations- und Reparaturarbeiten gezollt war.

Übrigens, das wichtigste und coolste Fact fällt mir erst ganz zum Schluss ein: Wenn man in Frankreich über die Sorbonne spricht, sagt man nicht etwa "à la Sorbonne", wie mans eben bei jeder anderen beliebigen Feld-Wald'n'Wiesen-Universität machen würde, sondern man sagt: "en Sorbonne". Und damit besteht ab jetzt nicht nur ein unterirdischer linguistischer Geheimtunnel zwischen Gelsenkirchen und Paris, sondern schliesst sich auch noch ganz wunderbar ein Kreis, der ganz oben bei der zugegebenermaßen für sich alleine schnarchöden Überschrift begann. So, und jetzt muss ich aus dem Zimmer, wird gleich saubergemacht hier.

PS: Trotz Paris hier, Paris da - wichtiger ists, zur heutigen Leselounge in Kiel zu gehen! Das findet auch die diese organisierende Daniela.
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* Amphithéatre: frankophon für "Hörsaal".
** In Frankreich täuscht der äussere Schein da manchmal; es sah eben ein wenig aus wie auf ner Baustelle, teils abgesperrt, teils verklebt bzw. abgedeckt. Eben so, als stünden umfassende Reparaturen und Restaurationen unmittelbar bevor. Andererseits sahen einige zur Abdeckung verwendete Pappen bereits besorgniserregend intensiv durchgerottet aus.


1 commentaire:
Wie praktisch - wo du doch jetzt alles kennst, kannst du uns doch rumführen, wenn wir vorbeikommen *g*
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