dimanche, novembre 19, 2006

Homestory bei Marie Antoinette

Nachdems bisher mit den wenigen Lesungen und Kinobesuchen eher ein lasches Eindippen denn Eintauchen in die Kultur der Stadt war, geht am Samstag endlich mal richtig was los: Es geht nach Versailles! Amelie hat Besuch aus Deutschland, der touristisch bespielt werden muss, und Nadine kommt auch mit, und so wurde mir mitgeteilt (weil: vier Räder hat der Wagen), dass meine Anwesenheit ebenfalls eventuell geduldet werden würde.

Versailles war mir vorher schon ein Begriff durch den Unmut gewisser Deutscher gegen bestimmte Verträge (zähle mich aber selbst zu den Guten, weswegen ich mich nie so recht damit beschäftigt hab), ferner durch schöne Fotos, nicht zuletzt aber auch durch den Film „Marie Antoinette“, den wir im August zur Frustbewältigung von der furchtbaren Wohnungssuche in einem Kino nahe dem Jardin du Luxembourg gesichtet haben. Buntes Bonbonkino, war gut! Nun gehts also hinter die Kulissen! Schön, mal dem Rock'n'Roll Lifestyle Kirsten Dunsts am nämlichen Ort selbst nachspüren zu können und zu schauen, was denn da so geht.

Treffpunkt ist um 11 Uhr vor dem Brunnen am Place St.-Michel. Ich hab mir vorgenommen, darüber nicht zu viele Worte zu verlieren, denn wer ein richtig lässiger Metropolenbewohner sein will, der bestaunt seine Stadt ja nicht, sondern benutzt sie, so wien Kleidungsstück. A propos: Wollte längst mal zu H&M, neue Socken und Schal kaufen!

Werde richtig sauer, als ich merke, dass Amelie und Nadine als Kunstgeschichts-Studentinnen und „Carte-Imagin'R“-Besitzerinnen sowohl fürs eine wie auch fürs andere, also Zugfahrt und Eintritt (die mich zusammen fast 20 EUR kosten) NICHTS zahlen müssen. Ist das fair?! Alter!!

Versailles, Bahnhof: Es ist kalt, und ich will zu McDonald's. Blöderweise hab ich aber noch n paar Frischkäse-Stullen dabei, die ich mir vorm Losfahren zuhause „geschmiert“ hab. So ein Ärger, denn ein „einfach so trotzdem“ passt nicht zu meinem streng geometrischen charakterlichen Zuschnitt. Da hilft keine Ausflucht: Selbst Kaffee hatte ich kurz vor Ausflugsantritt schon, so dass mir auch nicht eben mal in der Schlange für einen natürlich „petite“ Jacques-Prévert-Kaffee einfallen kann, dass die Cheeseburger heute doch aber mal sehr günstig sind.

Am Schloss von Versailles: Der Eiffelturm ist ja zugegebenermaßen schon recht hoch, aber dass sein Schatten noch bis hierher reicht, wer hätte das gedacht: Ungeachtet des Schlosses in ihrem Rücken haben sich die Souvenirhändler auf Eiffelturm-Miniaturen und -Schlüsselanhänger in allen Größen spezialisiert. Natürlich zu einem „good price“! Abgesehen davon gibts nur noch ganz fürchterliche Trikolore-Plastikflieger in Vogelgestalt, bei deren Vorführung reihenweise Touristen beinahe ums Leben kommen. Es hat im übrigen keinen Zweck mich drum zu bitten, von denen Fliegern mal einen mitzubringen. So n Schrott kauf ich nämlich nicht, auch nicht für andere. Und auch nich für "good price". So.

Die Schlangen sind gar nicht so lang, man rutscht schnell durch. Ist ja auch ein scheißkalter Tag, da verbringt man wohl auch in Frankreich den Tag an anderen Orten als idyllischen Schlossarealen. Vor Reingehen nochmal Toilette. Ich komme leider zu spät auf die Idee, dass man sich für den Ausflug ja auch mal den „Marie Antoinette“-Soundtrack hätte besorgen und am nämlichen Objekt selbst hätte ausprobieren können.

Bevors rein geht, werden noch die Taschen durchröntgt, und man selbst muss durch so einen Metalldetektor-Scherz-Türrahmen wie auf dem Flughafen (zumindest glaub ich das, dass das so einer ist, bin ja noch nie geflogen). Während Amelie ihr Wurstbaguette leider nicht mit reinnehmen kann und daher an der Abgabe abgeben muss, krieg ich meine zwei Schmierkäsebrote durchgeschmuggelt, hihihi! „Am Zoll vorbei“! Das tut gut, das ist dafür, dass ihr nix zahlen müsst!

Moderne Museumspädagogik: Im ansonsten ja für die Nebensaison nicht so günstigen Eintrittspreis (13,50 EUR) ist ein kostenloser sogenannter „Audioguide“ (in 8 Sprachen wählbar, darunter natürlich auch deutsch) bereits enthalten, bestehend aus Kopfhörer plus Abspieleinheit. Man tippt einfach die dem Raum zugehörige Nummer ein und bekommt von einem Radiosprecher erklärt, was im jeweiligen Raum zu der und der Zeit gerade mal so abging. Sehr lehrreich! Selbst dann gut, wenn man sich mal vertippt und das erst merkt, wenn man schon wieder halb ausm Raum raus ist. Also ich konnte jedenfalls den Informationsfluss ganz problemlos auch mit den anderen Exponaten verknüpfen - makellose Anpassungsleistung meines Verstandes!

Beim Durchlaufen der Räume verfestigt sich in mir der Eindruck, dass die französischen Könige ziemlich verwöhnte Rotzlöffel waren. Trotz teilweise immerhin schon über 300 Lenzen ist aber alles noch schön bunt. Direkt verglichen mit dem Film von Sofia Coppola fällt der vorherrschende Farbeindruck aber schon etwas ab, alles nur halb so knallig und nicht im Ansatz so gut beleuchtet. Versteh nicht, wie die französischen Könige erst alles ganz knallfarben anstreichen und dann vergessen, das auch mal durch eventuellen Lichteinfall überhaupt richtig zur Geltung kommen zu lassen. Also ich versteh das nicht.


Mein Zwang, alles mögliche irgendwie Hervorstechende einfach erst einmal wahllos zu fotografieren, ist in einem barocken Schloss natürlich besonders unangebracht. So ist bereits kurz nach der Hälfte der Besichtigungsdistanz kaum noch Platz auf meiner Digicam. Da ich mich jedoch nur von einer Handvoll Bilder definitiv trennen mag, bleibt mir nichts anderes übrig, als mit der Auflösung runterzugehen. Sorry, fotodürstende Folks, von nun an nur noch in 1024 x 768. Irgendwie krieg ichs im zweiten Abschnitt hin, mich zusammenzureissen, und so habe ich am Ende der Besichtigung tatsächlich noch 20 Bilder frei!

Wir gehen an die frische Luft. Der berühmte Garten des Schlosses steht dem Areal der Cité U nur in wenig nach, ist sogar deutlich größer, und die Gärtnereien sind etwas more tricky. Auf Lustwandeln haben wir trotzdem keine Lust, weil es sehr kalt ist und überall gebaggert und gebaut wird – Nebensaison, da muss der Park wieder in Ordnung gebracht werden!

Wir werden Zeugen einer vor dem Schloss stattfindenden Hochzeit. Die arme Braut trägt leider ganz und gar kein Thermo-Brautkleid, und bei der Kälte für die Fotografen trotzdem ganz überglücklich zu schauen, fällt ihr sichtlich nicht so leicht.

Auf einer Bank essen wir. Meine Begleitungen haben sich inzwischen auch ihre Baguettes wiedergeholt, und ich werde mit der Tatsache konfrontiert, dass meine zwei Frischkäsebrote in der Tasche von der Mineralwasserflasche kaputtgeknetet worden sind. Ich mache mich trotzdem drüber her, McDonalds ist jetzt weit, und ich hab Hunger. Irgendwo in Hörweite wird geballert. Herumsitzen inmitten anderer Touristen, zerquetschtes Frischkäsebrot essen, den Blick auf Schloss und Park, und das alles untermalt von Geballere. Ziemlich bizarr. Und ein gutes Schlussbild.

Damit endet unser Ausflug. Fazit: Guter Ort, doch zu viele Bauarbeiten und kalt. Man könnte im Sommer nochmal wiederkommen.

Auf der Rückfahrt wundern wir uns, wie sehr sich Paris und Kiel eigentlich ähneln.

PS: Tut mir leid, habe leider nur ein sehr lahmes Video gedreht. Aber das ist vielleicht gut, um mal zu sehen, dass nicht immer alles blinken und prunken muss in som Märchenschloss.

2 commentaires:

daniela a dit…

Du bist echt noch nie geflogen?!

LaHzz a dit…

noch nie. aber am 22. dezember isses ja endlich soweit! wenns mit dem check-in und pipapo klappt.