Da schlugen mir Nadine und Amelie doch eines Tages vor, mal bei ner Idee von denen mitzumachen: Dem ca. zwei oder drei Wochen (unter meiner Beteiligung!!) zuvor begonnenen Vorhaben, sich mangels Ergiebigkeit der hiesigen akademischen Veranstaltungen digitale Hilfe per online konservierter Vorlesungen von Prof. Dr. Meier zu holen, sollte ein auf reiner Koinzidenz fußendes Wortspiel zum einen oder anderen weiteren Spaßfaktor up verhelfen: Meiern bei Meier! Sich mal wirklich buchstäblich am hochprozentigen Stoff des Geistes berauschen!
Ein guter Witz, der nicht von mir war: Ich überlegte kurz, sagte dann aber trotzdem zu.
Am Sonntagabend stiegs dann. Nadine und Amelie mixten ein teuflisches Gebräu aus Pastis und französischem Mineralwasser zusammen, das aufgrund der ungewohnten chemischen Zusammensetzung nervös reagierte, aber im Sinne der Abwechslung doch begrüßenswert zwischen zwei Farbschattierungen hin- und heroszillierte und leise zischte, wenn man mal versehentlich ans Glas stieß. Mein Beitrag war nen Sixpäck Würfel, den ich vorher extra unter Aufnahme sowohl von Kosten als auch Mühen im Spielzeugladen „Apache“ in den "Les Halles" gekauft hatte. Falls jemand hier ist, ders nich weiss: Die "Les Halles" sind der Sophienhof von Paris. Die Würfel brauchten wir dann aber gar nicht, denn Meiern bei Meier geht ja anders, und zwar so: Zu Beginn oder im Laufe der ersten Minuten der Vorlesung sucht sich der Beteiligte einen Begriff aus, der bei deutlich vernehmlicher Artikulation durch den Professor als Stichwort gilt. Dann trinkt er. Wer am Ende gewonnen hat, ist unklar, aber meist zählt das auch gar nicht mehr so, weil alle immer irgendwie Sieger sind.
Thema der diesmaligen Sitzung war die „Lyrik der Frühaufklärung (Barthold Heinrich Brockes)“. Mit „Jahrhundert“ und „Aufklärung“ waren zwei essentielle Begriffe schnell an meine etwas geistesgegenwärtigeren Mitkonkurrentinnen vergeben, weswegen ich mich mangels Ideen zunächst auf kein konkretes Wort, sondern ein abstraktes Konzept kaprizierte (welches aber ein Schlüssel zum Verständnis der Meierschen Rhetorik ist): die Relativierung. Ein Stilmittel, welches man sich von den akademischen Lehrern der Sorbonne übrigens auch wenigstens ab und zu mal wünschen würde. Aber Seitenhiebe beiseite.
Am Anfang erwies sich meine Idee als einigermaßen konkurrenzfähig, wenn auch durchgehend begleitet vom dissonanten Schnarren der Uneindeutigkeit, denn Relativierungen gibt es ja solche und solche. Als mit zunehmendem Auftauchen von „Jahrhundert“ und „Aufklärung“ dann aber die Stichwortgabe von aussen merklich nachließ und ich selbst auch nicht allzu konzentrationsfähig war, wechselte ich kurzerhand zum etwas konkreteren Begriff „Welt“ über, dem ich wenig später noch „Gott“ hinzugesellte. „Gott“ und „Welt“ - ich fühlte mich wahnsinnig originell! Der Erfolg meiner Wahl war dann aber doch größer als mir lieb war, denn kurz darauf setzte Prof. Meier zu einem ausgedehnten Exkurs über die Leibnizsche Theodizee an. Dabei übrigens kein Vorwurf an Herrn Meier, der seine Sache hervorragend machte und eine wirklich tadellose Leistung zeigte. Später ließ ich „Welt“ dann zwar noch fallen. Aber da wars auch schon wieder egal.
In der kurzen, aber dringend benötigten Pause gingen wir zu McDonald's, um die Rufe unserer Körper nach künstlichen Geschmackszusätzen und wirklich total vollständig gesättigten Fettsäuren verstummen zu lassen. Zum Glück liegt McDonald's – wie eigentlich alles, was man zum Leben braucht – einfach einmal bei Nadine und Amelie um die Ecke. Selbst wenns mal nicht direkt ums Leben geht, sondern um daran angrenzende und leider noch viel zu wenig erforschte Phänomene, ist der Cimetière Père Lachaise und die an ihn angekletteten Esoterik-Buchgeschäfte lediglich in Rufweite. Also, ich wiederhole: Es ist wirklich alles da! Draußen fiel mir jedenfalls auf dem Rückweg von Mäcces ein Werbeplakat einer französischen Bank auf, das ein eigenartiges Zinsmodell präsentierte. Dieses stellte sich bei näherem Hinsehen zwar als falsche Interpretation heraus, weil mein Blick bereits etwas getrübt war. Aufgrund seiner Aussergewöhnlichkeit und Innovativität und der sich daraus ergebenden Möglichkeiten möchte ich es aber dennoch kurz vorstellen: Es funktionierte in etwa analog zur „BayernCard“ der Hypo-Vereinsbank (die jedes zehnte geschossene Bundesligator des FC Bayern mit zusätzlichen 0,1% Zinsen p.a. aufs Konto belohnt). Nur war in diesem Fall der Zinssatz nicht von den Launen und Formschwankungen von Sportlern abhängig, sondern von den Aussentemperaturen (denn auf dem Plakat war ein Thermometer abgebildet)! Genau: Je höher die Quecksilber-Säule, desto mehr Geld gibts! Was im Klartext heisst: Zuverlässig investieren in die globale Erwärmung – Industrie und Verbraucher versöhnen sich endlich und kämpfen gemeinsam für ein Ziel! Ein Traum wird wahr? Aus einer unangenehmen eine angenehme Wahrheit?
Mir egal! Auf jeden Fall ist es, und das ist der Zweck der Erwähnung: meine Idee! Und die solls bleiben. Für Mißbrauch und widerrechtliche Aneignung drohe ich prophylaktisch mit Anwalt. Sämtliche Namensrechte an entsprechenden Internet-Domains habe ich bereits sichern lassen. Der Goldfisch ist mein und bleibts auch! So.
Nach Beendigung des albernen Teenie-Spiels betrachteten wir noch ein wenig französische HipHop-Videos, die aufgrund verschiedenster und ausserdem wirklich unterschiedlicher Aspekte sehr interessant waren (DAS sind Styler! Altah!). Dann gings hopp ins Bett (bzw. für mich auf die Couch, denn ich wollte/sollte nicht mehr Métro fahren). In Anbetracht meines zukünftigen Reichtums hatte ich dann auch keine Probleme damit, zum gemeinsamen Frühstück am nächsten Morgen für Baguette und Croissants zu sorgen.
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2 commentaires:
Herrlich! Abstraktes Konzept der Relativierung, sehr gut. Wobei das natürlich auch wieder relativ ist...
Ich werd mal aus der Meier - Vorlesung winken, versprochen!
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