War Freitag abend das erste Mal ausgewesen im großen „P“! Mit einigen anderen Deutschen sollte es ins Bastille-Viertel gehen. Es ging gar das Gerücht umher, dass ein oder zwei Franzosen mit dabei wären, die dazu noch dort wohnen und sich daher in der Gegend auskennen würden! Die Folge: Helle Aufregung beim Rest des Teilnehmerfeldes, und de facto eine Grundkonfiguration nicht ohne Reiz!
Da nichts ist schlechter ist als schlecht vorbereitet zu sein, stärkte ich mich, bevor es losging, noch im Resto U (hat auch zwischen 18.15 und 20.30 auf!) mit einer „Formule Bleue“. Es gab ein Durcheinander aus Hackfleisch und Kartoffelbrei, und als Beilage Kartoffelbrei.
Wie gesagt: Nichts ist schlechter als schlecht vorbereitet zu sein.
Unser Treffpunkt (und beileibe nicht nur unser!) war die Treppe der „Opéra Bastille“, direkt am Ausgang der Métrostation „Bastille“. Das Paris-Kiel-Gefälle: Was bei uns allenfalls nach einem kleinen Restaurant in der Holtenauer Straße klingt, ist hier ein ganzes Viertel inklusive Oper und angeschlossener Métro - was für Dimensionen! Bang City Bang!
Aus der Station heraustretend, stellte ich erstmal angetan fest: Die Atemwolken vorm Gesicht waren wieder da! Wo warnse bloß so lange gewesen? Man weiss es nich, weg warnse einfach! Ich war auf jeden Fall der erste unserer Gruppe und musste diese vor den sehr zahlreichen anderen wartenden/abhängenden Citee-by-Night-Stylern entsprechend vertreten. Also steckte ich meine Ohrhörer ins Ohr und hörte coole, total abgefahrene Musik! Das brachte mich ihnen im Geiste schon ein ganzes Stück näher.
Schließlich waren wir beinahe komplett, nur die ortskundige Franzosen-Fraktion, so hieß es, stoße gleich noch dazu. Machte gar nichts, wir hatten keine Orientierungsprobleme, weil es ja bloß aus einer Richtung leuchtete und blinkte. Der Weg würde auch sowieso später noch leicht nachzuvollziehen sein: Einfach so lange geradeaus, bis es zwangsläufig nach halblinks geht. Dann da. Wir kamen auch an einer Gruppe von spontaneously young Breakdancers vorbei. Doch sorry leider, Jungs: Wir können nicht bleiben, denn wir kennen bereits unseren Weg!
Spontan kehrten wir in ein vom Straßenrand aus unseren Ansprüchen genügendes Lokal ein, das „La Poudrière“ (auf deutsch: „Pulverturm“ resp. „Pulvermagazin“!) in der Rue de la Roquette!
Das „La Poudrière“ charaktisierte sich anhand folgender Eigenschaften: Ziemlich voll, eine anthropogene Geräuschkulisse, die auch den sich im Hintergrund abspielenden Deltaradio-Sound (Strokes, RHCP, allerdings auch mal Sex Pistols; Tomte dagegen null!) in den Schatten stellte, und nicht zuletzt eine Luft, die Rauchen zum Pleonasmus machte. An den Wänden hingen mutmaßlich von ehemaligen Graffitikünstlern dahingeölte Skelett-Portraits in durchaus ansprechend hippem Style, bis auf dass sie zum Teil aussahen wie Zahnspangenträger. Skelette Zahnspangen?! Was hat denn das überhaupt noch für einen Sinn? Nevermind, wir wolltn hier eh nur trinken. Wie durch ein Wunder fanden wir noch eine zusammenhängende (!) Ansammlung von freien (!) Plätzen für sieben (!).
Die dann eintreffenden Franzosen waren ne ziemliche Enttäuschung! Vor allem war nur einer Franzose, und der war noch Deutscher und sah so aus, als stelle er gleichzeitig Adam Green und Pete Doherty mit Mitteln von H&M nach. Gesellig war er nur seinen Bekannten gegenüber, ging nach anderthalb Stunden mit seinem deutschen Kumpel und machte auch keine größeren Anstalten, sich zu verabschieden (von seinem verwelkten Begrüßungs-Händedruck aber mal ganz abgesehen!). Doofmann! Ein kleiner Reinfall also, der effektiv jedoch nicht so auffiel, da wir das bewährte Kieler Dreieck aufbauen und zu lässiger Kommunikation nutzen konnten: Es ging unter anderem über selbstbewusstes Kundenverhalten gegenüber den großen Firmen und die dadurch erhöhten Chancen auf Gratispakete, um den ersten Teil von „Batman“ (der am Montag um 15 Uhr in irgendeinem Kino läuft, wolln wir sehen!) sowie um Gerüchte, die um eine neuartige Sorte von After Eight mit Orangenfüllung rumorten, welche Amelie in Paris gesichtet zu haben glaubt. Also, ich glaube ihr kein Wort!
Auch ansonsten ging der Aufenthalt: ein kleines Heineken für 3,50 EUR, ein großes, Achtung: „Kronenbourg“ (irgendne Elsass-Plörre!) für 4,50 EUR, und das Bier schmeckte nach deutschen Maßstäben zwar n bisschen dünn, aber jedenfalls nicht nach Katze und schlug auch ein, was beides die Hauptsache ist. Da ich in Sachen Alkohol ja eine ordentliche Schule genossen hab und kein Kind von Traurigkeit bin, war ich nach den zwei Bier dann auch noch fähig zum U-Bahn-Fahren - vom Abschied bis zur erneuten Ankunft im Wohnheim lief alles reibungslos ab und war hervorragend koordiniert. Selbst vorm Rezepteur (oder wie man das nennt, wenn jemand an der Rezeption sitzt) hab ich mich nicht blamiert und den einstudierten französischen Satz zur Bitte um möglichst plötzliche Herausgabe des Zimmerschlüssels vorbildhaft gemeistert.
Zwei Dinge noch, mehr fürs Protokoll: Neben der Wiederentdeckung meiner alten Gewohnheit, bei Stimulation durch Musik, Alkohol und schlechte Luft (LeseLounge!!) mir auch mal nen Glimmstengel zu erbetteln, habe ich diesen bei der Gelegenheit auch gleich einige Male virtuos aus Versehen durch die Luft gepfeffert. Zweitens: Dem Vergleich mit den Kieler Institutionen „Exlex“, „Weltruf“, „Nachtcafé“ et al. hält „La Poudrière“ leider nicht stand. In Nachtleben also Kiel: 1, Paris: 0. Beweis erbringe ich gerne gegen Anwesenheit hier in der Weltstadt des Herzens, die in den Händen der Franzosen in den letzten ca. 1700 Jahren eine sehr gute Entwicklung genommen hat, kommt ma her alle!
Ähm, Kamera hatte ich leider vergessen. Wie gesagt, kommt halt selbst vorbei!
mardi, novembre 14, 2006
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1 commentaire:
Bin unterwegs ... sobald abends KEINE Hauchwölkchen am Mund auftauchen !
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