Ich hab jetzt neue Sachen von H&M und war im Louvre. Grund: Es tat sich gestern Morgen um ca. 8 ein Tagesstrukturloch auf, als aufgrund von Gründen, die mit einer beginnenden Grippe begründet wurden, sowohl mein CM*/TD** „Hugo von Hofmannsthal“ als auch der TD** „Kunstmärchen“, beide bei Herrn Pésnel, ausfielen. An der Sorbonne wird man über so ein Faktum übrigens vom Dozenten höchstpersönlich telefonisch informiert.
Nadine und Amelie litten unter der gleichen Leere, die haben nämlich diesen Teil des Stundenplans auch, und schlugen vor, man könne ja wohl in irgendeins der ca. sechs, sieben Stadtzentren fahren und sich den Frust aus der Seele rauskaufen. Gute Idee fand ich das, ich wollte mir nämlich schon seit bestimmt drei Wochen diese einen Totenkopfsocken und noch diese anderen, und nen Schal, kaufen. Es ist ein echter Schal de Gaulle, nebenbei.
Gesagt, getan. In Paris ist übrigens, ich nehme mal an: nicht anders als in Kiel auch, schon voll der Vorweihnachtsbaum am Brennen. Eine Tatsache, die ich in einen faszinierenden, weil unglaublichen Schaufensterfilm umgemünzt hab. Gibt den in zwei Varianten, rot und pink, einmal mit doofer Musik, das andere Mal mit noch dooferer Musik. Tanzende Töpfe: Das darf eigentlich einfach nicht sein, noch nicht mal in der Phantasie!
Mit dem H&M bei den Galeries Printemps war ich allerdings unzufrieden, weil die nicht alle beide Sockendesigns, mit denen ich geliebäugelt hatte, da hatten, stattdessen jedoch Jacken und T-Shirts, die beim Anprobieren sehr hässliche Seiten offenbarten. Pech gehabt, die Les Halles haben nämlich auch einen H&M, der is gar nicht weit weg, und die haben die beliebäugelten Socken bestimmt, was ich weiss, weils ja dort war, wo das Liebäugeln einst begann. Da jedoch nich ich, sondern immer noch Nadine & Amelie das Wohin und Wann vorgaben, zwischenstoppten wir noch zweimal nicht grad nennenswert bei Zara und C&A. Die Läden lohnen sich hier genausowenig wie dort, kann ich nur sagen. Ziemlich unplausibel, was für komisch aussehende Sachen in dem einen für sehr, sehr ernste Preise vertickt werden. Und beim anderen kann man nur noch sagen, hier, hallo, Hopfen und Malz***!
Die Frauen waren gefrustet, weil sie nichts fanden, ich war froh, weil ich in Les Halles das vorfand, was ich vorzufinden mir erhofft hatte. Wir alle fuhren diesen unterschiedlichen Grundeinstellungen zum Trotz gemeinsam zum Franprix in der Rue de Pyrenées nahe Nadines & Amelies Homebase am Place Emile Landrin und kauften uns eine Fertiglasagne zum gemeinsamen „Spachteln“. Ja richtig, eine Fertiglasagne, das muss auch mal so gesagt werden, wer denkt, so Paris das ist nur die besten Weine und die hauteste Cuisine, der irrt, denn Profanness rult auch hier! Ich gab uns überschwänglich eine Runde „Liègois Chocolat“ aus, oder für unserem Artikulationsapparat etwas freundlicher ausgedrückt, Schokopudding mit Sahne. War „Leaderprice“ zwar (ne Billigmarke), aber sehr lecker - ultra-schokoladois! Die Sahne war egal, dem Gesamt-Geschmacksbild aber keineswegs abträglich.
Unterdessen die Lasagne in ihrem eigenen Fertigsud schmorte, scheiterten wir daran, uns eine weitere Vorlesung von Prof. Dr. Meier reinzutun („IV. Christian Fürchtegott Gellert: Empfindsamkeit“). Da kamen die Pietisten vor, das weiss ich noch, und über die wusste ich auch was, aber aus ner anderen Vorlesung, so dass es nicht gilt. Mehr is leider nicht mehr rumgekommen, sollte wohl eben einfach nicht sein. Den Rest des Nachmittags tranken wir Kaffee, aßen Dominosteine, schauten Musiksender oder auch nur dem Schneetreiben des Fernsehers zu und wurden langsam trübsinnig.
Der Louvre: Amelie hatte wieder Besuch aus Deutschland, und man kann sich ja nicht mal an normalen Orten treffen. Wie dem auch sei, in den Louvre wollte natürlich auch ich mit, klaro, denn davon spricht die Welt. Müßig natürlich, dabei zu erwähnen, dass nur ich Eintritt zahlen musste. Aber die sechs Euro (nach 18 Uhr, sonst acht) wars mir trotz Müdigkeit und Trübheit wert, ich wollte das Ruder rumreißen und dem Tag irgendwie zum Ende hin noch eine positive Wendung geben.
Der Louvre ist das beste Museum der Welt. So nimmt es auch wenig Wunder, dass sich deren berühmteste Kunstwerke darum balgen und auch eventuelle intertextuelle Freundschaften vergessen sind, wenns darum geht, darin Platz und Namen zu bekommen. Beste Beispiele sind beispielsweise die „Venus von Milo“ und die „Mona Lisa“. Die Mona Lisa ist in der Tat recht prächtig, vorläufiges Urteil: ein Meisterwerk! Die Venus hingegen sieht etwas aus wie ein Kerl, und dann noch ohne Arme, was einen natürlich noch umso mehr abtörnt. Auch von Dürer hängt irgendwo was, hab ich auf Nachfrage erfahren, Wahnsinn, alle meine drei Lieblingskünstler in einem Haus: Milo, Lisa und Dürer!
Fotografieren konnte ich leider nix, weil ich am Vormittag bei dem leider gescheiterten Versuch, eines der blinkenden „Pharmacie“-Schilder zu filmen, die es in Paris überall gibt und von denen ich Fan von bin, meine letzten Batterien verbraucht hab. Im „Ed“, dem supergünstigen Supermarkt, wo wohl: bei Nadine & Amelie um die Ecke, gabs die Batterien zwar, hingegen nur theoretisch. Dafür stimmte aber der Preis.
War am Ende gar nicht so schlimm, denn es ist für jemanden wie mich eigentlich auch mal befreiend, einmal nicht die Möglichkeit zu haben, alles fotografieren zu können. Und angesichts meiner Videokastration hab ich denn ja auch ersatzweise mit meinem MP3-Player eine Audioaufnahme unserer ersten Näherung an die Mona Lisa gemacht. Geht rund 10 Minuten lang und ich rede nur Mist und lache selbst drüber. Als wäre ich betrunken! War aber nur müde plus zu viel Koffein im Blut plus Louvre-Euphoria. Dennoch, sobald ich rausgefunden hab, wie, werd ich, denk ich, mal den Mut zur Selbstentblößung haben und das veröffentlichen. Dann könnt ihr mir ja mal sagen: Klingt meine Stimme echt so komisch? Und vielleicht kann mir dann ja auch ma einer was zu Platons Höhlengleichnis erzählen.
Die Sache mit der Kamera war nicht zuletzt aber auch von daher verkraftbar, weil das mit Sicherheit nicht mein letzter Besuch gewesen sein wird. Denn in den vielleicht drei Stunden haben wir maximal nur etwa anderthalb Flügel des Museums weggeschafft, und am nächsten Sonntag ist der erste im Monat, und da ist der Eintritt nämlich immer frei. Gelohnt haben sich die sechs Euro, das muss ich jetzt aber nochmal supernachdrücklich betonen, trotzdem, und zwar voll und ganz. Denn das Ding ist einfach nur der Hammer!
* CM: "cours magistral", so in etwa wie ne Vorlesung
** TD: "travail dirigé", am ehesten wie n Seminar
*** Hopfen & Malz: Ergibt als Abkürzung H&M, grad gemerkt! Ist das nicht lustig?!
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1 commentaire:
Hallo Lahzz!
Wunderschöner Blog. Kann Dir nun berichten, daß es eine Stunde und vierzig Minuten dauert, den komplett bis zum 26. November durchzulesen. Hat Spaß gemacht. Wobei der Oktober etwas länger dauert, ungefähr eine Stunde.
Es wird deutlich, daß Du in Paris voll angekommen und eingelebt bist. Leben und studieren in Paris - wie schön. Ein Traum!
Nur "Tagesstrukturloch", das kommt mir doch sehr bekannt vor ("noch einen Tagesstrukturplan zu erfüllen..."). :-)
Übrigens, die Bilder und Videos sind auch spitze. Und funktioniert alles problemlos mit Netscape 7.2... :-)
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