Mit Baguettes und Croissants vom besten Bäcker von Paris bei Nadine und Amelie um die Ecke sowie dem tollen "Ail & fines herbes"-Frischkäse vom Franprix konnte ich ihr gleich ma demonstrieren, wie sich der perfekte Start in den Tag auf Pariserisch buchstabiert. A propos Nadine und Amelie: Diese spielten bei der ganzen Sache eine durchaus lobend zu erwähnende, wenn auch keinesfalls unnötig groß zu redende Nebenrolle, indem sie Steffi in ihrem sympathisch schratigen HQ am Place Gambetta (mitten im Herzen des "20.") zu beherbergen so nett waren. Da fällt mir ein: Erstere, also Nadine, äusserte übrigens auch die "Ansicht", dass ich mich in meinem Blogeintrag zum Basilique-de-Saint-Denis-Ausflug im Vergleich zu meinen drei Begleiterinnen oder, ich möchte fast sagen: Hosts (denn der Ausflug war deren Idee), arg in den Vordergrund schiebe. Nun gut, wir sind ja in einem "demokratischen" Medium. Ich kann mir darüber kein Urteil bilden. Ausserdem bin ich zu faul, jetzt gerade noch mal den betreffenden Post nachzuschlagen und zu beweisen, dass natürlich das schiere Gegenteil der Fall ist.
Auf das Vergnügen folgte die Arbeit: Es ging los mit dem Touri-Nerv-Teil! Ich versuchte, den Ball zunächst ma flach zu halten und zeigte ihr auf dem Père Lachaise mal, wie das ungefähr so aussieht, wenn man Jim Morrison oder Oscar Wilde heisst und tot ist: Recht eintönig, was aber die ausserhalb des goldenen Käfigs Stehenden keinesfalls davon abhält, einem weiterhin mit Fotoapparaten und aufmunternden Blumensträussen nachzustellen. Tja, wenn der Rock'n'Roll-Lifestyle in biederem Steinmetz-Hackwerk und dem Sound künstlicher Klick-Sounds der Digitalkameras endet, da muss man sich wohl doch mal fragen, obs wirklich besser war auszubrennen als so wegzufaden, wa?
A propos Rock'n'Roll Lifestyle: Besonderes Schmankerl des Steffi-Guide-Tags war natürlich ein anderer königlicher Zwischenstopp, nämlich das von den Veranstaltern geschmackvoll Richtung Ende des Tages angesetzte Konzert von The Whitest Boy Alive, dem aktuellen Projekt von Erlend Oye, strange guy of brutalstem Kings-Of-Convenience-Fame, Chill-Titan und akustischer Halbgott!! Zu allem dekadenten Überfluss obendrein noch mit Tourbegleitung Kommode, dem aktuellen Projekt von Eirik Glambek Boe, der zweiten KoC-Hälfte, der sein Klingelschild ebenfalls am Pantheon des Akustik-Songwriterwesens hat. Lieu de la spectacle était dabei der ganz in Nadine & Amelies Nähe gelegene ehemalige Bahnhof "Flèche d'Or", nun Indie-Kabuff der feinsten Sorte.
Doch bevor dieser eher angenehme Teil des Abends endlich anvisiert werden konnte, mussten wir noch eine endlos langweilige Wanderung an der Seine entlang über die Champs-Elysees (Wegbeschreibung schon ungefähr hier) bis zum ätzenden Arc de Triomphe hinter uns bringen. Einzig der Crepestand bei jedoch schon ungefähr drei Vierteln der Strecke vermochte uns für fünf Minuten aus unserer Apathie zu reissen. Auch Steffi findet, glaub ich, so die primären Tourismus-Attraktionen jetzt eher doof, geilo Sichtachse zwischen Arc de Triomphe und La Defense mal hin bzw. her. Gut war vielleicht noch das abenteuerlich rasante 9-km/h-Rollband im Gare Montparnasse, auf dem wir all die 6km/h-Trottel doch ziemlich hinter uns ließen und mondän den Fahrtwind um die Ohren sausen lassen konnten (s. auch u.). Wobei das, genaugenommen, auch schon wieder auf dem Rückweg war.
Aber unserer Laune konnte das nichts mehr, denn ich vergaß zu erwähnen: Bereits am Vormittag, ein gutes Zeichen, lief uns Nahe Place Gambetta ein mit roter Mütze bedeckter und von bonbonblauem T-Shirt bekleideter Erlend Oye über den Weg, so dicht, dass er, hätte ich fünfzig Zentimeter weiter links gestanden, krass in mich reingerannt wäre und in der Folge wahrscheinlich folgender Dialog entstanden wäre:
E: "Oh, excuse me please Mr." (will eigtl weitergehen, aber guckt noch mal genauer, überlegt es sich dann anders)
E: "You're lookin pretty cool man! Do you want to play with me in a band?"
Ich dann (ehrlich überrascht): "Oh, I'm sorry, I mean, I would like to but you're so famous and cool and I am a nothing! And also I don't play any instrument."
Und dann E: "No, I am a nothing. YOU are cool!"
schließlich ich: "Am I? I'm not sure. Not really. Or? You're kidding me."
E: "No, not at all. You're one of the coolest guys I've ever met. Do you want to join the 'Kings Of Convenience', a small group I play in? I'll fire Eirik, my co-musician. He's ugly and an idiot!"
I: "Yes, that would be nice perhaps."
E: "OK, so we're in a band from now on!" (geht ab; ich bleibe bescheiden zurück, ehrlich überrascht, dass ich anscheinend wirklich so cool bin; während ich noch überlege, arrangiert sich um mich herum ein ausgesuchtes Assortement attraktiver französischer Indie-Girls; Fadeout)
Doch manchmal nimmt das Schicksal eben doch andere Abbiegungen als vorgesehen. Butterfly Effect - ihr kennt das.
Nach der Champs-Elysees-Episode gings noch mal zu Nadine und Amelie zum Ausruhen, Stärken (mit lecker Pizza, Erdbeeren, Salat, so Zeugs und Tiramisu), bis wir dann alle gemeinsam Richtung Flèche d'Or losgingen und uns den Weg dorthin mit Vorfreude auf Erlend (ähm, und natürlich auch den Rest der Band) verkürzten.
Und das Konzert war dann auch nur einfach nur geilo und machte sehr, sehr glücklich: Erlend sah genau so aus wie Erlend auf all seinen Plattencovern, was ja schon mal die halbe Miete ist. WBA spielten ihr (allerdings kaum einstündiges) Konzert wie ein DJ-Set, liessen Song in Song übergehen, improvisierten mehr oder weniger ausschweifend und gaben in ihren vielleicht zwei, drei Ansagen zwischendrin eine sympathische und gutgelaunte Figur ab. Das ist oben auch ganz gut in dem etwas längeren Zusammenschnitt zu verfolgen. Was ich, Konzert umsonst hin oder her, jedoch als ein wenig asi anzuprangern mich gezwungen fühle ist, dass das Flêche d'Or anscheinend grundsätzlich keine Zugaben spielen lässt: Nach dem letzten Song wurde rabiat der Vorhang vorgezogen, und nur wenige Sekunden später startete, noch unter dem "Zugabe"-Skandieren des links vor der Bühne stehenden, anscheinend vor allem aus Deutschen bestehenden Flügels, das zynische Indie-Gedudel der Hausanlage. Wenig später kam auch die Band von der Bühne und begann, nächster Programmpunkt, höchstselbst unter eigener Anwesenheit das Verticken von WBA-CDs und -Shirts.
Auch der zweite King of Convenience, Eirik hing noch weiter im Flêche d'Or rum, hielt schüchtern ein Glas in der Hand und schaute, soweit ich ihn im Blick hatte, vor allem schnuffig und lieb in der Gegend herum. Seine Band hatten wir leider verpasst, weil wir, noch essend und slouchend, unmöglich glauben mochten, dass die Prominenz gleich als erstes spielt und die Staffage dann den Rest des Abends (geschweige denn dass es rechtzeitig losgeht). Aber genau so war es dann gekommen. Schadeschade, aber eben nicht zu ändern, und WBA waren ja auch allein schon das Kommen wert (ich mein, es war ja umsonst, erwähnte ich das eigentlich schon?).
Natürlich war der Reiz, von Erlend Oye persönlich ne WBA-CD zu kaufen, zu groß um ernsthaft zu erwägen, ihm zu widerstehen. Ich bekam sogar noch einen Button dazu, und er gab mir zum Abschied die Hand!!! Dann machte ich mich, abschliessend, noch zum Horst, indem ich mich, euphorisiert durch den Abend, den glatt über die Bühne gegangenen Plattenkauf und nicht zuletzt durch die vom Akustik-Titan geschüttelte Hand, noch zu folgendem nervösem Satz hinreissen ließ und glatt darlegte: "Thank you for the great concert!". Fucking Groupie-Shit irgendwie, wa? Ich erkannte mich selbst nicht wieder. Dennoch wankte ich beglückt nach Hause (bzw. war es, bei den Bierpreisen, doch eher noch ein strammes und ausgesprochen kontrolliertes Flanieren). Erlend Hand gegeben: Das musste ich allen meinen Freunden erzählen! Ach PS: Und die CD signiert hat er mir auch noch. Groß, groß, das, alta!
Und jetzt mal ehrlich: Bei DEM Tag verkommt DAS hier doch zur bloßen Lappalie, oder? (aber hinschauen musste ich dann doch)

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* oder so ner Firma


1 commentaire:
Wer DAS verpasst hat, ist einfach selbst schuld!!!
Grossartiger Abend, ich dank dir noch mal ganz doll fuer alles!!!
Bin gerade in Castrojeriz, hat heute nach langer Sonnenwoche geregnet. Gleich geht's essen.
Ich denk immer noch gern an den Konzertabend, wir sind wohl beide ganz schlimme Groupies ;)
Liebe Gruesse
Steffie
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