samedi, décembre 09, 2006

Risiko-Tourismus: Bei Sturm zur Sacre-Coeur

Gestern großer Sturm hier, sagt man. Hab nicht viel davon mitgekriegt, ausser dass meine Frisur total verweht wurde. Musste nach Hause und sie wieder neu machen. Danach bin ich mit der restlichen Kieler Fraktion zu Fuß auf den Montmartre zur Sacre-Coeur (zu Fuß, weil: Bahn kaputt). Auf Schusters Rappen per pedes auf den Montmartre hochzusteigen ist jedoch nur halb so anstrengend als man sich das denkt, war jedenfalls auch oben noch fit wie so n Turnschuh. Die Kräfte reichten sogar noch, um einen Film den Mont herabzudrehen. Eine wirklich famose Aussicht: Die Wolken zogen alle kollektiv nach links, als gäbs da irgendwie was umsonst oder so. Auch die weniger fähigen Vögel konnten plötzlich seitwärts fliegen wie die Albatrosse; irgendwas war also doch dran am Sturm. Leider wird die Famosität des Ausblicks im Film etwas von den Pixeln verdeckt, aber was soll man machen, wenn man nur ne einfache (und dazu noch ramponierte) Digitalkamera mithat. Das große Hochhaus, das man am Anfang des Films inmitten des Dächergewimmels sieht, ist übrigens der Tour Montparnasse, das nach dem Eiffelturm größte Gebäude der Stadt. Zum Eiffelturm selbst hat man vom POV des Films aus leider keinen Ausblick.

Warnen sollte man die Touristen hingegen vor den ultra-aggressiven Armbandverkäufern am Fuß des Montmartre, die in ihrem Verkaufsvorhaben enttäuscht und in ihren aufdringlichen Kommunikationsaufnahmen (stellen sich einfach in Gruppe dazu, wickeln den Frauen die Bänder schon mal um den Arm) zurückgewiesen auch mal zu Beleidigungen der derberen Sorte greifen. Wenn die wenigstens Eiffeltürme oder so Kram gehabt hätten, aber derart souvenirkastriert müssen die sich nicht wundern, wenn man die nicht so ernstnimmt wie gewünscht. Was soll man denn mit bunten Armbändern?! Man hilft ja gerne, aber auch der Tourist hat seinen Stolz.


In der Sacre-Coeur wars hingegen doch unerwartet ganz schön*, ist ja alles auch noch relativ neu, verglichen etwa mit der Notre-Dame. Der Sacre-Coeur haftet ja immer der Ruf einer zu unrecht (und unter Zuhilfenahme des Montmartre als prominentem Aussichtspunkt) zu größerem touristischem Ruhm gekommenen Sehenswürdigkeit und eines architektonischen Kitschstücks an. Das kann ich so nicht bestätigen: Die ist aussen wie innen schön und wirklich sehenswert. Schon irgendwo optisches Marzipan, aber eben das gute von Niederegger, oder eines guten Marzipanfabrikanten eurer Wahl. Mit dem Wort "Marzipan" erschöpft sich leider auch bereits meine architektonische Beschreibungsmacht.

* vielleicht bis auf den diskret in einem Seitenraum untergebrachten Souvenirshop und den Souvenirmünzenpresser im Ausgangsbereich; macht sich irgendwie seltsam in einer Kirche, in der man "aus Respekt" nicht fotografieren darf und ebenfalls um "respektvolle" Kleidung gebeten wird

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