Ticketkauf: Mal wieder zeigt sich in Frankreich an einem Schalter oder einer Kasse* der am klarsten ersichtliche Unterschied zwischen dem, was wir haben und dem, was die haben. Wenn bei uns schon fehlende Servicementalität beklagt wird, ist das wirklich immer noch Jammern auf ausgesprochen hohem Niveau. Wir bekamen gestern bei unserer Besetzung von sechs Leuten drei verschiedene Tickettypen, davon einer garantiert nicht existent, wie die Christina und mich bedienende RATP-Mitarbeiterin sehr glaubwürdig zu versichern wusste. Fürs Protokoll: Ich erhielt die konservative Variante, einmal Paris - Fontainebleau hin und zurück (15,20 EUR), stringent, eindeutig, ohne Freiheitsgrade. so wie ichs auch in manch anderem Gebiet öfters mal gebrauchen könnte (mit etwas Glück krieg ich die Hausarbeit übrigens noch heute oder morgen fertig!). Christina bekam die flexible Variante fürs schnelle, moderne Leben: Sechs-Zonen-Ticket, Ziel egal, dafür nur einen Tag gültig (15,60 EUR). Amelie und Anhang hatten die unmögliche Variante, das sogenannte "Ticket Jeune", ebenfalls für den ganzen Tag und auf der ganzen Île-de-France (9,80 EUR). Aber das gabs ja wie gesagt gar nicht. Wäre ja auch in der Tat n bisschen sehr günstig gewesen.
Es war wirklich angenehm, aus einer engen Stadt wie Paris mal nach ausserhalb zu kommen. Wo man zur Fortbewegung nicht ständig durch Urinwolken gehen muss, die durch potthässliche Tunnel miteinander verbunden sind, sondern wo auch echte Natur gar nicht mal weit, nur einen vielleicht besonders stark geworfenen Stein entfernt ist. Auch für unser Tagesziel brauchte es nach kurzer Busfahrt nicht mehr als einen beherzt geworfenen Kiesel.
Im Schloss wurde wirklich für jedermann was geboten, also auch für den einfach veranrlagten Touristen, der, an Disneyland gewöhnt, erst einmal in flacher Progression an geschichtsträchtigere, reifere Orte herangeführt werden muss:
Das sollte übrigens eigentlich n Foto werden. Aber manche können mit Technik eben nicht so, da kann man machen was man will. Mal übrigens drauf achten, dass ich in dieser Anordnung als Marie Antoinette posiere und Inga als Ludwig XVI. Jaja, der neue androgyne Tourismus. Dass aber auch jeder Trend einmal die Massen erreichen muss. Marie Antoinette passte aber glaub ich ganz gut zu mir, auch weil ich ja diese Affinität zum Glamour habe.
Gleich danach ließen wir uns - früh ausgelaugt von der SNCF und ihrer eigenartig kurvenverliebten, brüsken Fahrweise - auf einem freundlich uns heranwinkenden Steg am Schlossteich nieder, zur Erledigung einer kleinen Mahlzeit (danke auch nochmal für das Baguette!) und das Nachempfinden adeligen Idyllengenusses. Womit wir nicht rechneten: Das elektrisierte die ansässige Wasservogelwelt! Nevermind the Schwan, sagt ja auch der Volksmund. Von wegen! Mind bitte ab jetzt aber sowas von diese schrecklichen weissen Vögel! Wie Schulhofbullys, die schwächere Kinder einschüchtern und ihnen ihr Pausenbrot wegnehmen, kamen Herr und Frau Schwan mitsamt ihren mißratenen Blagen angepaddelt und forderten aggressiv die Herausgabe etwaiger Brotvorräte, und zwar alles bitte möglichst pronto und ohne groß Aufsehen zu erregen. Denkste, dachten wir da zunächst noch, hier spottet nämlich nur einer über den anderen, und das ist ja wohl seit Ewigkeiten immer noch der Mensch über die Natur! Doch weil wir diese Rechnung ohne den Schwan gemacht hatten, kam es in der Folgeviertelstunde auch immer wieder zu kleinen Meinungsverschiedenheiten zwischen Fauna und zivilisierter Weltsphäre, die wir am Ende, wenn auch mit einem Teilrückzug, knapp für uns entscheiden konnten.

Unser Waldspaziergang blieb, da unsere Arglosigkeit der Natur gegenüber verloren war, bloß eine kurze Episode. Aber schön ist das da wohl. Wald können die Franzosen auch echt gut, direkt nach dem Herstellen leckeren Essens!
Blieb ja zum Glück noch ein ganzes Schloss! Dank Audioguide weiss ich jetzt auch, was es damit überhaupt auf sich hat: Das war Napoleons Schloss! Wer hätte das gedacht - der große Korse, der rastlose Korse: Hier lebte er, hier liebte er, hier wirkte und dankte er er dankend ab. "Au Revoir les enfants!", und dann ins Exil nach St. Helena! Was für ein Mann! Ich weiss, das ist jetzt mal wieder unpopulär, aber ich hab schließlich noch nie ein Blatt vor den Mund genommen, wenns darum ging, unbequeme Wahrheiten auszusprechen: So einen wie "Nap" bräuchten wir mal wieder ganz dringend. Und zwar für unsere Fußball-Nationalmannschaft! Der hat vielleicht Dinge gestemmt! Alter! Ballack hin, Frings her: So was gibt es heute gar nicht mehr!
--* Am Abend war ich dann noch im Franprix einkaufen und bekam Geld zurück: 26 Cent, schön in Ein-Cent-Stücken. Da musste ich Lachen. Die Kassiererin lachte mit.


1 commentaire:
..jaja. das mit der technik verstehen einige einfach nicht. da hilft aber meistens ein fachmännischer rat wie: "du musst stärker draufdrücken!" und schon fluppts. ---- da hab ich ja wohl was verpasst...
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